BRASILIANISCHE KÜSTE


Von Blumenau aus war es für brasilianische Verhältnisse nur ein Katzensprung (100 km) bis ans Meer und wir waren begeistert, als wir den Atlantik erspäht hatten.

Noch begeisterter waren wir von der Landzunge „Porto Belo“, etwas weiter südlich, und entschieden uns dort die Nacht zu verbringen. Viele kleine und größere Buchten mit herrlichen Sandstränden reihten sich aneinander und wir wussten im ersten Moment gar nicht für welche wir uns entscheiden sollten.

Im zweiten Moment aber war es recht problematisch wild zu campieren, da die meisten Buchten irgendwo ein Häuschen stehen hatten und wir uns ja nicht gerade in deren Garten stellen wollten.

Im Ort am äußersten Zipfel der Landzunge gab es einen Campingplatz direkt am Meer und so haben wir zu Vorsaisonpreisen mit Meeresrauschen im Hintergrund dort übernachtet. Natürlich nicht ohne zuvor einen ausgiebigen Strandspaziergang zu tätigen!

Nur schwer konnten wir uns von diesem schönen Fleckchen trennen, doch schon bald hatten wir ein Neues gefunden: die „Ilha de Santa Catarina“. Die Begrüßung auf dieser Insel, die mit der Hängebrücke „Hercilio Luz“ mit dem Festland verbunden ist, war zwar nicht so schön, denn man sieht als erstes die Hochhäuser der 250.000 Einwohner zählende Stadt Florianopolis. Doch sobald wir schnell an dieser Stadt vorbei gefahren waren, sahen wir die schönen Ecken der Insel. Uns hat der Weg als erstes in den Norden geführt, wo wir die Dünen von Ingleses näher erkundet haben und welch ein Zufall, dass Strandrestaurant hatte sogar noch ein Buffet aufgebaut, an welchem wir sogleich zugeschlagen haben. Buffet- oder Kiloessen ist sehr beliebt in Brasilien.

Nach dem leckerem Essen haben wir die Runde über die Insel fortgesetzt und uns schließlich bei Armacao einen Platz für die Nacht gesucht- wieder mit Meeresrauschen im Hintergrund!

Für die weitere Fahrt in Richtung Süden wählten wir die BR101, welches eine bis jetzt zweispurige Bundesstraße ist und eine wichtige Nord- Südverbindung darstellt. Und dies zeigte sich auch am Verkehr. So viele LKW´s und PKW´s haben wir bis jetzt noch nicht neben, hinter und vor uns auf der Straße erlebt und wir waren froh um eine Pause in Vila Nova, wo an diesem Tag eine Surfmeisterschaft stattgefunden hat. Die Promenade war voller Zuschauer, die sinnvollerweise mit Fernglas ausgestattet waren. Wir hatten unseres im „G“ liegen lassen und konnten die wagemutigen Surfer nur schemenhaft erkennen. Aber sei´s drum, die Kulisse, die Atmosphäre und der anschließende Strandspaziergang bei ordentlichem Wind und tosender Brandung waren eine willkommene Erholung.

Ach ja zur Straße wollte ich ja noch ergänzen, dass diese zweispurige Bahn zur Zeit auf vier Spuren erweitert wird, also für jede Richtung zwei Bahnen. Und das scheint das größte Straßenbauprojekt in ganz Brasilien zu sein, da sich diese Erneuerung über eine Distanz von bestimmt 200 km erstreckt. Immer mal wieder sieht man Teilstücke mit Teerdecke oder auch nur platt- und freigeräumte Piste neben der Straße und dann mal wieder gar nichts, was auf eine neue Straße hindeuten würde. Komische Bauweise.

Bei Torres haben wir dann die nicht schön zu fahrende Bundesstraße verlassen und sind auf eine kleinere, weniger befahrene Küstenstraße zwischen mehreren Lagunen und dem Atlantik ausgewichen. Das flache Landschaftsbild änderte sich wenig, die Rinderherden und Reisfelder blieben uns rechts und links des Weges treu und nur im Hinterland waren schwach Hügel zu erkennen.

Noch ruhiger wurde es nach Tramandai, einem netten kleinen Badeort, den wir zum Einkaufen und Bummeln genutzt haben und in welchem wir dann die Entscheidung getroffen haben, über die Landzunge nach Süden zu fahren. Wir haben uns doch noch mal lieber vergewissert, ob es an Ende der Straße eine Fähre nach Rio Grande geben würde, um nicht im dümmsten Fall die 230 km wieder zurückfahren zu müssen. Uns es gab sie, die Fähre.

Doch bis dahin hatten wir noch eine wunderschöne (Schlaglöcher-) Strecke vor uns mit sehr schönen Abstechern zum Strand oder zur Lagune „Lagoa dos Patos“, der größten in Brasilien, und eine Tierwelt, die wieder einmalig zum Beobachten war. Unterbrochen wurde die „Schweizer-Käse-Straße“ durch ein 40 km langes Sandpistenstück und im Gegensatz zum Abbremsen und Umfahren vor und um die Löcher war das ein herrliches sanftes Fahren. In Sao José do Norte schließlich gab es erhoffte und erfragte Fähre, die sich als ein Ponton herausstellte, welcher von einem Schlepper herüber nach Rio Grande gelenkt wurde. Dort, in der Industrie- und Fisch(verarbeitungs)stadt haben wir uns mit frischem Fisch für den Abend eingedeckt und die Fahrt fortgesetzt.

Allzu viel Lust zum Fahren hatten wir an diesem Tag jedoch nicht mehr und so haben wir Ausschau nach einem geeigneten Platz zum Übernachten gehalten. Und während wir Ausschau hielten, haben wir etwas ganz anderes gesehen. Carpincho´s, diese 1 Meter großen Nagetiere, Krokodile (richtig große!), Schildkröten und Unmengen an Wasservögeln. Ein Blick auf die Landkarte wies uns auf ein Naturreservat hin, doch das dort mitten durch die normale Straße führte, hätten wir ja auch nicht für möglich gehalten.

Wir sind noch etwas weiter, um nicht Krokodile oder Schlangen als Nachbarn zu haben und hatten auch bald einen kleinen Sandweg, der zu einem tollen Platz mit noch tollerer Aussicht über die Lagune „Lagoa Mirim“ führte, gefunden. Dieser Platz lag zwar direkt an einem Gatter, durch das am Abend noch 3-4 Autos durchfahren mussten, doch so hat sich Mario als „Gatterjunge“ gezeigt und wir hatten Kontakt zu den Leuten. Diese waren alle sehr nett und interessiert an uns und wir waren ganz überrascht, dass wir mit unseren paar aufgeschnappten Brocken Portugiesisch „unsere“ Geschichte erzählen konnten und sie uns sogar verstanden haben.

Ausblick vom Campingplatz auf wunderschönen weißen SandstrandNur selten kommt uns jemand entgegenDie Teerdecke hat teilweise Riesenlöcher!Endlich 40km Sandpiste, besser als die Riesenlöcher!Endlich 40km Sandpiste, besser als die Riesenlöcher!Carpincho´s beim Sonnenbaden!Krokodil

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