VANCOUVER ISLAND

martinamario am 10. August 2016 um 20:53

Eine Woche haben wir uns Zeit genommen, die größte Pazifikinsel vor der nordamerikanischen Westküste zu erkunden. Die Woche war auch notwendig, denn immerhin beträgt die Nord-Südausdehnung 500 km und die Fläche ist mit ca. 31.000 km² vergleichbar groß mit Belgien. Und es ist eine wunderbare Insel- soviel schon jetzt!


Port Hardy, unseren Ankunftshafen, nutzten wir lediglich zum Tanken und sind entlang der #19 über Port McNeill nach Telegraph Cove gefahren. Errichtet wurde der Ort damals als Endstation der Telegrafenleitung von Victoria (Hauptstadt von British Columbia, im Süden von Vancouver Island) und besteht aus ein paar Häusern auf Holzpfählen. Dieses „Boardwalk Village“ ist heute touristisch erschlossen und ist einer der Hauptausgangspunkte für Walbeobachtungstouren. Wir erhofften uns von Land aus die großen Meeressäuger zu entdecken, doch leider ohne Erfolg. Dafür genossen wir das schöne Wetter, die nette Atmosphäre im Ort und trafen Karo wieder, mit der wir  schon in Prince Rupert Kontakt hatten und zusammen die Inside Passage gefahren sind.

In Sayward, immer noch an der Ostseite der Insel unterwegs,  schauten wir den „Holzrückern“ im Wasser zu und waren von der Schnelligkeit und Wendigkeit der Wasserfahrzeuge überrascht. Carla war der Meinung, dass sie Wasserballett tanzen würden! In unserer Mittagspause kamen wir ins Gespräch mit einem Ehepaar aus Port McNeill, die in den 50er Jahren aus Deutschland nach Kanada ausgewandert sind. Zum Leben, zur Insel und zur Politik in den USA (!) gab es interessante Dinge zu hören und zum Abschluß gaben sie uns den Tipp in Parksville zu stoppen. Dort würde zur Zeit ein Sandburgen-Festival stattfinden.

Treffen mit KaroTotemBreakedancer

Warum nicht? Am nächsten Tag suchten wir also diese Veranstaltung auf und gaben die Abstimmungscoins für unsere Favoriten ab. Wirklich faszinierende Sandskulpturen standen unter der Aufsicht von vielen ehrenamtlichen Helfern am Strand und wurden von zahlreichen Besuchern bestaunt. Nach dem Rundgang wollten wir noch baden, doch die Ebbe machte uns einen Strich durch die Rechnung. Zunächst mussten wir weit zum Wasser laufen und dann noch einmal ewig, bis das Wasser wenigstens bis zur Kniekehle reichte. Da hatte Henning doch mehr Spaß beim anschließenden Spielen und Abkühlen im Spraypark. Dem Rest der Familie hat der schattige Platz daneben gereicht! Außerdem ist Henning inzwischen begeisterter Rollerfahrer geworden und wenn wir eine Skaterbahn entdecken, muss er eine Runde drehen und Tricks üben. Inmitten der anderen Skater, Rollerfahrer und BMXler macht er seine Sache gut und ist voll akzeptiert auf der jeweiligen Anlage. So auch in Parksville. Gelegentlich findet Carla ebenfalls Gefallen am Rollerfahren und wird dann von ihrem Bruder in die „Bahn“ geleitet. Herrlich.

Ins Wasser konnten wir schließlich alle auf unserem weiteren Weg an die Westküste einmal quer durch Vancouver Island. Denn an einem wunderschönen See fanden wir ein Plätzchen zum Baden, Grillen, Übernachten und Floß bauen. Das war ein Spaß! Aus entsprechenden Treibholzstämmen zimmerten wir ein kleines Floß zusammen und Henning und Carla waren aus dem kalten Wasser gar nicht mehr heraus zu bekommen.

Die weitere Route führte uns über Port Alberni, das selbsternannte „Tor zum Pazifik“ oder auch wie die Hälfte von Vancouver Island „Lachshauptstadt der Welt“ und durch Waldgebiete mit bis zu 70 Meter hohen, 2 Meter dicken und 1000 Jahre alten Douglasien an die Westküste zum Pacific Rim National Park. Dieser ist eine Mischung aus Bergen, wilden Stränden und küstennahen Regenwäldern. Und der „Broken Group Island“, hunderte kleiner Inseln, die nur über das Wasser zu erreichen sind.

Parken in Port Alberni

Durch den nördlich gelegenen Ort Tofino unternahmen wir einen kleinen Spaziergang, doch wir empfanden es als zu überlaufen und voll. Da fühlten wir uns am Strand sehr viel wohler und legten einen Strandtag am Long Beach ein.  Mit Spaziergang, Surfer beobachten und Sandburgen bauen verging die Zeit wie im Flug.

In unseren Köpfen spukten noch immer die Wale herum… Klar, wir befanden uns ja auch im „Walgebiet“ und sie begegneten einem überall in der touristischen Vermarktung! Aber wenn nicht hier, wo sollten wir sonst so gut diese faszinierenden Tiere beobachten?! Noch einmal näher als von der großen Fähre? Also begaben wir uns am Nachmittag in den Ort Ucluelet und fanden zu unserer Freude tatsächlich noch vier Plätze auf einem der Boote für den nächsten Tag. Allerdings mussten wir zunächst zur Größensichtung kommen, da in der Regel nur Kinder ab 6 Jahre im Zodiac mitgenommen wurden. Aber kein Problem, denn die am Morgen gekauften Kleinkindwesten passten perfekt und mit unseren Matschsachen (zum ersten Mal auf der Reise) waren Henning und Carla ebenfalls bestens ausgestattet.  Um 14.00 Uhr ging es los und um 14.20 Uhr haben wir nach einer kurzen rasanten Fahrt aufs offene Meer die ersten Buckelwale entdeckt. Unsere Guide Rachel konnte es selbst kaum glauben und freute sich tierisch, dass wir das erste Boot waren. Unter Kollegen gab sie den Standort per Funk aber preis! Doch das sollte uns egal sein, denn wir waren mit Beobachten und Staunen beschäftigt  und freuten uns, die Mama mit ihrem Kalb zu sehen. Toll!

BoldeagelDas altmen des Wals

Auf dem Campingplatz in Ucluelet machten wir verschiedene Bekanntschaften: Henning spielte mit den holländischen Nachbarjungs wortlos Fußball und wir unterhielten uns mit Ralf beim Frühstück. Er ist mit Motorrad unterwegs und an dieser Stelle dürfen wir eigentlich nicht die Wale erwähnen, stimmt es, Ralf? Oder die Bären?!!

Auf dem Weg zurück an die Ostküste der Insel entdeckten wir einen wunderschönen Platz am Fluß und Henning wurde nicht müde, Tarzan zu spielen. Leider riß die Liane (ok, das Seil), als auch Mario den Dschungelmann mimte und vorbei war es mit dem lustigen Spiel.

Etwas anderes, viel wichtigeres gab dann auch noch seinen Geist auf und zwar die Lichtmaschine unseres Trucks. Zum Glück waren wir bereits in Stadtnähe zurück in Port Alberni, aber der dumme Zufall wollte es, daß an diesem Wochenende „British Columbia Days“ waren. Das hieß langes Wochenende mit freiem Montag. Es war zwar erst Freitag, aber viele Geschäfte und Werkstätten hatten bereits ihre Mechaniker ins Wochenende entlassen. Nicht so „Clydesdale Automotive“, die unser Problem schnell diagnostizierten, eine neue Lima heranschafften und um 14.30 Uhr den Einbau starteten. Wir verbrachten eine Stunde auf dem in der Nachbarschaft liegenden Spraypark, welches bei der Hitze nicht der schlechteste Platz zum Warten war. Aber das Beste war die prompte Hilfe, trotz Feierabend, BC Days und zahlreicher anderer Terminaufträge, die auf dem Hof standen. Wir bedankten uns ausgiebig und düsten (!) mit neuer Energie vom Hof.

Der Insel sagten wir schließlich in Nanaimo „Good bye“, denn von dort setzten wir auf das Festland über und waren 1 ½ Stunden später in Horseshoe Bay, im Norden von Vancouver angekommen.

Die MorgenwäschePapa hälts nicht ausDie neue LichtmaschineGegenfähreVancuverHorseshuhbay

BC FERRIES

martinamario am 4. August 2016 um 20:14

Um nicht ein paar Minuten der kostbaren Schlafenszeit vergeben zu müssen, stellten wir uns bereits am Abend in die Nähe des Fährablegers und übernachteten dort. Das Einchecken für die Fahrt von Prince Rupert nach Vancouver Island durch die Inside Passage erledigten wir ebenfalls am Abend und freuten uns, tatsächlich den Platz auf der „Nothern Expedition“ zu haben! Übrigens das Produkt einer deutschen Werft.
Dennoch war 5.30 Uhr natürlich sehr früh für uns, aber dank der Vorfreude und der Aufregung haben Carla und Henning den frühen Start in den Tag gut gemeistert. Auf der Nothern Expedition bezogen wir unsere reservierten Plätze in der Lounge und stellten fest, dass wir das gar nicht gebraucht hätten. Denn erstens gab es genügend freie Plätze verteilt in allen Ecken und Winkeln und zweitens haben wir mehr Zeit im Spielzimmer, als auf den Luxussesseln verbracht… Im Spielbereich wurden Robert mit seinen Schwestern die neuen Freunde von Henning und die Bande tobte durch den Raum. Carla schaute lieber amerikanische Zeichentrickserien im TV!



Das Wetter hatte alles zu bieten: Wolken, Regen, Nebel und  ein ganz klein wenig Sonnenschein. Das wertete die Fahrt durch die Inside Passage nicht ab. Im Gegenteil, die Stimmung war auch so faszinierend, vielleicht gerade dadurch besonders.  Aber natürlich hätten wir gegen etwas mehr Sonnenlicht auch nichts gehabt…
Und die Tierwelt hatte auch viel zu bieten: Buckelwale. Manche haben wir selbst entdeckt oder es  gab es eine Durchsage des Kapitäns. Nach solcher stürmten alle Passagiere back- oder steuerbord, sodass es ein Wunder war, dass wir nicht Schlagseite bekamen!!! Es hat uns sehr gefallen, die Tiere zu beobachten und Henning und Carla waren sich sicher, dass die Wale uns mit der langen Flipper zuwinken würden.
Die 17 Stunden lange Fahrt war somit alles andere als langwierig. Neben Essen und Trinken und Tierbeobachtung haben wir nette Leute getroffen, Reisegeschichten ausgetauscht, sind gelegentlich draussen gewesen und außer Henning haben wir alle mal ein wenig geschlafen. Um 22.30Uhr sind wir dann gut in Port Hardy auf Vancouver Island angekommen, konnten aber noch nicht von Bord. Die Rampe ließ sich nicht öffnen! Ein technisches Problem verzögerte die Ausfahrt und unter großem Jubel konnten wir schließlich gegen 23.00 Uhr das Schiff verlassen. Das allerdings haben unsere Kinder nicht mehr mitbekommen…

ROCKY MOUNTAINS

martinamario am 28. Juli 2016 um 22:17

130 km westlich von Calgary liegt die Stadt Banff als Zentrum des Banff Nationalparks. Egal aus welcher Richtung kommend, landet man unweigerlich in der Stadt. Da bei unserer Ankunft das Wetter für andere Aktivitäten nicht besonders einladend war, flanierten auch wir bald der Banff Avenue entlang. Natürlich nicht allein, denn erstens ist Hoch- und Feriensaison in Kanada und zweitens regnete es bei den anderen Touristen natürlich auch! Der obligatorische Spielplatzbesuch durfte nicht fehlen und dann ging es weiter durch den Nationalpark.
Auch in den kanadischen Nationalparks ist das wilde Campen verboten und wir fanden Platz auf den Campingplätzen mit Selbstzahl-Briefumschlag-System. An einem Morgen, kurz nachdem wir gestartet waren, erblickten wir einen Schwarzbär! Zum Glück waren wir im Auto und konnten Meister Petz beim Fressen beobachten. An anderer Stelle stießen wir beim Spaziergang auf Bär- und Elchspuren. Henning und Carla sind bereits zu guten Fährtenlesern geworden und Mario und ich sind froh, wenigstens das Bärenspray griffbereit zu wissen. Wir haben es uns tatsächlich angewöhnt, es immer dabei zu haben- schließlich sind wir im Bear-Country!

Der neue GrillReise auf ReisenÜberlaufenes Banff

Eine Wanderung am wunderschönen Lake Louise machte uns allen Spaß und da es viel geregnet hatte, hüpften die Kinder von Pfütze zu Pfütze und merkten so die gelaufenen Meter nicht…
Leider war es weiterhin sehr verregnet und die Wolken hingen tief. Die Gletscher des berühmten Icefield Parkways bis Jasper haben wir kaum gesehen. Schade.

Am Lake LouisePfützenspringenHenning findet immer wen zum Fussball spielenMarshmellows am LagerfeuerJeder hat sein Hobby



Nach Jasper haben wir den Nationalpark verlassen und sind weiter in Richtung Westen gefahren. Den Kindern haben wir „Fahrtage“ angekündigt und mit Hörspiel und Boardcatering versorgt, ging es ohne Murren die vielen Kilometer zunächst nach Prince George. Diese größere Stadt nutzten wir zum Auffüllen unseres Kühlschranks und den sonstigen notwendigen Sachen. Außerdem wollten wir noch einmal checken, ob wir tatsächlich den Platz auf der online gebuchten Fähre der Inside Passage von Prince Rupert nach Vancouver Island hatten. Das Telefonat brachte Ernüchterung: wir waren gebucht, allerdings nicht mit einem Camper, sondern nur mit normaler Autohöhe. Und nein, Kapazitäten für Überhöhe hätten sie nicht mehr!?! Das Angebot war eine Listung auf der Warteliste… Wir mussten aber an Ort und Stelle entscheiden, wo die Fahrt hinging, denn ohne einen Fährplatz sicher zu haben, wären wir nicht die 720 km nach Prince Rupert gefahren.



In diesen Fällen bin ich Marios Hartnäckigkeit dankbar. Er bat mich um weitere Anrufe und Nachfragen bei der Fährgesellschaft und beim dritten Mal hatte ich eine nette Dame an der Strippe, bei der Service groß geschrieben wurde. Kurzum: sie konnte uns zwei Tage früher auf einer Fähre einbuchen!

Tolle HelferinLanger Zug

Also gingen die „Fahrtage“ nach Westen weiter und wir kamen in Vorfreude auf die Inside Passage in Prince Rupert an. Genug Zeit hatten wir dort eine alte Fischfabrik in Port Edward zu besichtigen, Weisskopfseeadler zu beobachten, einen Faulenztag auf dem Campingplatz zu verbringen und uns einen Wunsch zu erfüllen: einen Flug mit einem Wasserflugzeug! Als wir dann auch noch einen Buckelwal aus der Luft gesehen haben, war der Flug einfach perfekt und hat super Spaß gemacht.

Carlas WeiskopfseeadlerfederHalo Oma und OpaWelch ein FangDer Wal aus der Luft