ROCKY MOUNTAINS

martinamario am 28. Juli 2016 um 22:17

130 km westlich von Calgary liegt die Stadt Banff als Zentrum des Banff Nationalparks. Egal aus welcher Richtung kommend, landet man unweigerlich in der Stadt. Da bei unserer Ankunft das Wetter für andere Aktivitäten nicht besonders einladend war, flanierten auch wir bald der Banff Avenue entlang. Natürlich nicht allein, denn erstens ist Hoch- und Feriensaison in Kanada und zweitens regnete es bei den anderen Touristen natürlich auch! Der obligatorische Spielplatzbesuch durfte nicht fehlen und dann ging es weiter durch den Nationalpark.
Auch in den kanadischen Nationalparks ist das wilde Campen verboten und wir fanden Platz auf den Campingplätzen mit Selbstzahl-Briefumschlag-System. An einem Morgen, kurz nachdem wir gestartet waren, erblickten wir einen Schwarzbär! Zum Glück waren wir im Auto und konnten Meister Petz beim Fressen beobachten. An anderer Stelle stießen wir beim Spaziergang auf Bär- und Elchspuren. Henning und Carla sind bereits zu guten Fährtenlesern geworden und Mario und ich sind froh, wenigstens das Bärenspray griffbereit zu wissen. Wir haben es uns tatsächlich angewöhnt, es immer dabei zu haben- schließlich sind wir im Bear-Country!

Der neue GrillReise auf ReisenÜberlaufenes Banff

Eine Wanderung am wunderschönen Lake Louise machte uns allen Spaß und da es viel geregnet hatte, hüpften die Kinder von Pfütze zu Pfütze und merkten so die gelaufenen Meter nicht…
Leider war es weiterhin sehr verregnet und die Wolken hingen tief. Die Gletscher des berühmten Icefield Parkways bis Jasper haben wir kaum gesehen. Schade.

Am Lake LouisePfützenspringenHenning findet immer wen zum Fussball spielenMarshmellows am LagerfeuerJeder hat sein Hobby



Nach Jasper haben wir den Nationalpark verlassen und sind weiter in Richtung Westen gefahren. Den Kindern haben wir „Fahrtage“ angekündigt und mit Hörspiel und Boardcatering versorgt, ging es ohne Murren die vielen Kilometer zunächst nach Prince George. Diese größere Stadt nutzten wir zum Auffüllen unseres Kühlschranks und den sonstigen notwendigen Sachen. Außerdem wollten wir noch einmal checken, ob wir tatsächlich den Platz auf der online gebuchten Fähre der Inside Passage von Prince Rupert nach Vancouver Island hatten. Das Telefonat brachte Ernüchterung: wir waren gebucht, allerdings nicht mit einem Camper, sondern nur mit normaler Autohöhe. Und nein, Kapazitäten für Überhöhe hätten sie nicht mehr!?! Das Angebot war eine Listung auf der Warteliste… Wir mussten aber an Ort und Stelle entscheiden, wo die Fahrt hinging, denn ohne einen Fährplatz sicher zu haben, wären wir nicht die 720 km nach Prince Rupert gefahren.



In diesen Fällen bin ich Marios Hartnäckigkeit dankbar. Er bat mich um weitere Anrufe und Nachfragen bei der Fährgesellschaft und beim dritten Mal hatte ich eine nette Dame an der Strippe, bei der Service groß geschrieben wurde. Kurzum: sie konnte uns zwei Tage früher auf einer Fähre einbuchen!

Tolle HelferinLanger Zug

Also gingen die „Fahrtage“ nach Westen weiter und wir kamen in Vorfreude auf die Inside Passage in Prince Rupert an. Genug Zeit hatten wir dort eine alte Fischfabrik in Port Edward zu besichtigen, Weisskopfseeadler zu beobachten, einen Faulenztag auf dem Campingplatz zu verbringen und uns einen Wunsch zu erfüllen: einen Flug mit einem Wasserflugzeug! Als wir dann auch noch einen Buckelwal aus der Luft gesehen haben, war der Flug einfach perfekt und hat super Spaß gemacht.

Carlas WeiskopfseeadlerfederHalo Oma und OpaWelch ein FangDer Wal aus der Luft

CALGARY

martinamario am 22. Juli 2016 um 05:05

Der Abstecher nach Browning, wo die Indian Days stattgefunden haben, war kein großer Umweg. Besonders lange haben wir uns dort auch nicht aufgehalten und sind schon bald zur kanadischen Grenze unterwegs gewesen. Ein kleiner Grenzübergang erwartete uns und nach kurzem Fragen des Zollbeamten nach dem woher, wohin, wie lange und Waffen an Bord hatten wir die Einreisestempel im Reisepass. Den Weg nach Calgary, unserem ersten Ziel in Kanada, unterteilten wir in zwei Etappen und schlugen unser Nachtlager auf einer Rinderweide auf. Allerdings war das nur an den Hinterlassenschaften zu sehen und zu riechen!!

Calgary hatten wir ursprünglich gewählt, da es auf unserem Reiseweg lag und wir uns Downtown mal anschauen wollten. Doch im Gespräch mit anderen Reisenden erfuhren wir, dass die zehntägige „Calgary Stampede“ Anfang Juli stattfinden würde. Klar hatten wir im Reiseführer von der „größten Show der Welt unter freiem Himmel“ mit einem der weltweit größten Rodeos gelesen. Und der Zufall wollte es nun, dass wir zum passenden Zeitraum dort sein würden. Da wurden wir natürlich neugierig! Kurzum: wir haben uns online Tickets gekauft und waren gespannt, was uns erwartete.

Zuvor waren wir wie geplant zum Sightseeing in der Stadt, haben unter anderem in einer Hotellobby das Finale der Europameisterschaft geschaut und den Stadtbesuch bei schönem Sonnenschein genossen. Auch Downtown war die Stampede präsent und überall wiesen Schilder, Aufschriften, Partys usw. darauf hin.

Für den Besuch der Stampede planten wir den ganzen Tag ein. Mit den Tickets für die Rodeo Show hatten wir den Eintritt für das komplette Festgelände inklusive und ein riesiger Vergnügungspark mit zig Eß-, Trink- und Spielbuden und Fahrgeschäften, Freilichtbühnen, Ausstellungsflächen und diversen Shows erwartete uns. Die Kinder durften sich zwei Fahrgeschäfte aussuchen und Henning schleppte mich in eines, in dem mir total übel wurde. Sehr zum Amüsieren der restlichen Familie!

Eine Rodeo Show mit Reiten auf Wildpferden und Stieren, Fangen von Kälbern mit dem Lasso und ohne (!), Barrel Races (Pferderennen um Fässer herum) usw. hatten wir bereits zweimal erlebt, aber wir wurden nicht müde, es uns noch einmal anzuschauen. Laut Stadionsprecher kamen die Champion des Rodeos hierher und bei Preisgeldern von insgesamt 2 Millionen Dollar war der Wettkampf wohl entsprechend hart.



Hart war unser Tag nicht, dafür aber lang, anstrengend und gut! Obwohl wir eigentlich keine Freunde des Rummels sind, hat es Spaß gemacht und wir haben uns gefreut, dieses große Fest in Calgary erleben zu können. Mit einer erspielten Beute von 4 Stofftieren im Arm, einer Menge Süßkram im Bauch und Infomaterial von der Landwirtschaftsausstellung (!) im Rucksack waren wir am Abend froh, zurück im Camper zu sein und schliefen zum dritten Mal auf dem Supermarktparkplatz bei Safeway.

Bevor wir am nächsten Tag aus der Stadt herausgefahren sind, haben wir zuerst einen Keilriemen besorgt und uns dann auf die Suche nach einer Werkstatt gemacht, die ihn uns wechseln konnte. Der Alte hatte sich wohl aus Altersgründen aufgeribbelt und mangels dem richtigen Werkzeug wollten wir es machen lassen. Werkstatt Nummer 3 hatte nach dem Lunch Kapazitäten frei, bzw. hat uns eingeschoben und kurz darauf konnten wir mit erneuertem Keilriemen die Stadt in Richtung Westen verlassen.

GLACIER NATIONALPARK

martinamario am 13. Juli 2016 um 20:00

Unser nächstes Ziel war der Glacier Nationalpark. In dem Park gibt es 25 kleine Gletscher, die leider rasant an Ausdehnung verlieren. Dennoch kommt der Name nicht von ihnen. Der Glacier Nationalpark verdankt seinen Namen den Eisströmen, die vor 2000 Jahren seine Täler formten. Im Norden grenzt der Park direkt an Kanada und hat dort den kanadischen Waterton Nationalpark zum  Nachbarn.

Wir sind vom Westen in den Park hinein gefahren und haben uns das „ok“ für die Going-to-the-Sun-Road von dem Ranger am Eingang eingeholt. Neben den vielen Seen, Flußläufen, dichten Wäldern und furchtgebietenden Gipfeln mit zahlreichen Trails, Kajaktouren und diversen Aktivitäten ist diese Straße das Highlight des Parks und zählt zu den reizvollsten Straßen in den USA. Allerdings ist sie nur für bestimmte Automaße freigegeben: 10 ft hoch (sind wir genau), 8 ft breit (sind wir genau) und 21 ft lang (naja, zwei mehr sind es schon…). Letzteres haben wir dem Ranger verschwiegen und uns auf seinen nach oben zeigenden Daumen konzentriert!

Das Ok hatten wir, aber die Sonne leider nicht. Zum ersten Mal seit 7 Wochen mussten wir die langen Hosen herausholen! Schade, denn so machte die Straße ihrem Namen keine Ehre. Doch auch mit bedecktem Himmel verliert die Region nicht an ihrem Reiz und die Ausblicke in die Rocky Mountains mit den schneebedeckten Gipfeln und  steilen Abhängen ins Tal waren famos. Vielleicht waren wir wettertechnisch zu verwöhnt, aber zu der geplanten Wanderung auf dem Logan Pass auf 2036 Meter Höhe hatten wir plötzlich keine Lust mehr. So wurde es nur ein kleiner Rundweg mit Schneekontakt und Erspähen von zwei Bighorn-Schafen.

Wieder im Tal und aus dem Nationalpark heraus, buchten wir uns für zwei Tage auf einem Campingplatz ein und nutzten dies zum Wäsche waschen, Bericht schreiben (!), Fotos sortieren usw..

Und: Reiten!!! Direkt neben dem Campingplatz wurde Horse Riding angeboten und da mussten wir unsere Kinder nicht zweimal fragen! Henning durfte auf einem eigenen Pferd reiten und war mindestens so glücklich wie der Name seines Pferdes: Lucky. Carla ritt bei einem der beiden Guides mit und fand das so komfortabel, dass sie die letzten 20 Minuten des Ausrittes verschlafen hat. Ein dickes Schmunzeln des Guides war ihr dabei sicher. Nach dem Ausritt durch das Blackfeet Indiander Reservoir, welches östlich des Glacier NP liegt und in welchen wir uns nun befanden, würden wir nun nicht behaupten dass wir Reiter wären, aber genossen haben wir das Reiten schon sehr! Carla durfte nach dem Aufwachen netterweise noch eine Runde auf dem kleinen Pony „John Wayne“ reiten. Und Henning wurde in die Kunst des Lasso Werfens eingewiesen.

Reiten macht müde!!!Warum mein Pferd wohl Batman hieß???

Bergfest: wir sind in der Mitte unserer Reisezeit angekommen und haben das als Grund zum Essengehen genommen. In Johnsons Cafe in St. Mary gab es für Mario und mich ein leckeres Bisonsteak und die Kinder labten sich an hausgemachter Gemüse-Hühner-Suppe, selbstgebackenem Brot und Pommes!


Die Guides von der Pferderanch gaben uns den Tipp, dass ganz in der Nähe die 65. „North American Indian Days“ stattfinden würden. Ein großes Treffen verschiedener Indianerstämme mit diversen Wettkämpfen im Reiten, Trommeln, Tanzen und ganz viel Essens- und anderen Verkaufsständen. Wir fuhren hin und kamen gerade noch rechtzeitig, um das Indian Relay Race zu sehen. Das ist ein Staffelreiten und bevor wir es richtig verstanden hatten, war es in rasantem Tempo auch schon wieder fast vorbei. Danach gab es ein Rodeo mit Bullriding, Kälber einfangen und viel Stimmung auf der Tribüne. Die allerdings wäre durch den deutschen TÜV durchgefallen und wir waren froh, dass alle „First Nations“ und auch wir nicht eingestürzt sind!